Ein Filmer durch und durch

Trauer um Werner S. Lange

Mit Werner S. Lange verlieren die Bergedorfer Filmer und der BDFA-Landesverband Nord eine Ihrer starken und weithin bekannten Persönlichkeiten.

Werner Lange gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Film- und Fotoclubs “Die Camera”. So nannte sich der Club 1963 bei der Gründung durch Foto-und Filmbegeisterte.

Schnell nahm die allgemeine Begeisterung für das Filmen zu, die technischen Grundlagen wandelten sich von Schmalfilm zu Video. So gaben sich die Filmer der “Camera” einen eigenen Namen und nannten sich nun Bergedorfer Film- und Video Amateure. Diesen Club führte Werner Lange 15 Jahre und machte ihn mit seinen “Bergedorfern” über die Grenzen Hamburgs und des Nordens hinaus zu einem Markenzeichen.

Als etwa ab den 90iger Jahren die Überzeugung in den Vordergrund trat, Film nun mehr als Medium zu nutzen und mit Hilfe der Filmwerke künstlerisch gestaltete Geschichten sogar auch zur Grundlage von Dokumentationen zu machen, war es weniger bedeutend geworden, auf welchen Materialien das geschah. Deswegen gab es noch einmal eine Namensänderung: Nun nannte sich der Club Bergedorfer Filmer.

Dank Werners betriebsamer Clubarbeit konnten Bergedorfer Autoren ihre Werke mit dem endrucksvollen Club-Logo regelmäßig auch überregional bei Bundesfilmfestivals, auf der DAFF und sogar auf der UNICA vorstellen.

Werners besondere Liebe und Sorgfalt galt dem Filmtext, über den er immer wieder an Clubabenden referierte. Die klare, filmgerechte Sprache seiner eigenen Filme war beispielhaft.

Mit seinem fundierten Filmwissen hielt er sich nicht zurück. Häufig sind wir bei Landes- und Bundesfilmfestivals gebannt seinen Argumentationen als Juror gefolgt und haben aus seinen Worten lernen dürfen. Das Filmen und der BDFA gehörten zu seinem Leben.

Mit seiner Frau Helga war er ein häufiger Gast der jährlichen stattfindenden DAFF.

Werner Lange starb am 10.05.21 im 87. Lebensjahr.

“Wir werden Werner S. Lange und sein Erbe in unserer Mitte behalten”, schreibt Helmut G. Lange im Namen der Bergedorfer Filmer.

Möge auch uns Werners Wirken Geleit sein.
Unser herzliches Beileid gilt dem Club und allem Verwandten.
BDFA-Landesverband Nord, RB

Nachruf Dr. Horst Hufnagel

Anfang des Jahres musste die Gemeinschaft der Amateurfilmer Abschied nehmen von Dr. Horst Hufnagel.

Der erste Film, den Horst Hufnagel im Hamburger Film Club zeigte, war wohl sein beeindruckendster. „Budapest – Wo mein Traum von Freiheit zerplatzte“ verknüpft gleich drei Themen: die Senioren-Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2014, ein Porträt des Austragungsorts Budapest, und schließlich die Geschichte seines DDR-Fluchtversuch über eben jene Stadt. In einem Rückblick erzählt der Film, wie die Familie nach menschenunwürdigen Gefängnisaufenthalten in Ungarn und in der DDR in den Westen ausreisen konnte. Und er dokumentiert, wie Horsts Mannschaft an gleicher Stelle den Hallenweltrekord der 4x200m Staffel in der Altersklasse 75 Jahre aufstellt – eine vielschichtige und zutiefst beeindruckende Filmszene.

Horst bereiste mit seiner Frau Utta Hufnagel die ganze Welt, mal als Tourist, mal als Teilnehmer einer Leichtathletik – Europa- oder Weltmeisterschaft. Von jeder Reise brachte er einen Film mit, angefüllt mit zahlreichen Daten, Fakten und historischen Informationen. In den Diskussionen stritt er leidenschaftlich um jede Jahreszahl. Anregungen nahm er mit nach Hause, um sie still einzuarbeiten – und um die Lücken neu aufzufüllen. Denn Lauflänge 19:59 Minuten war Horsts Standardformat.

Auf Anregung aus dem Filmclub erweiterte er sein Repertoire um Portraits. Seine Reisefilme führten uns oft in eine weltberühmte Galerie. Mithilfe dieses Materials widmete Horst dem skandinavischen Maler Anders Zorn einen ganzen Film und holte den Maler so aus der Vergessenheit.

Horst Hufnagel war eines unserer aktivsten und produktivsten Mitglieder. Seine Filme liefen erfolgreich auf vielen deutschen und internationalen Filmfestivals. Leider ist Dr. Horst Hufnagel ist im Februar 2021 nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben.

Christian Brülle-Drews

 

Der sanfte Tod eines Filmers

Ein Urgestein der norddeutschen Amateurfilm-Szene ist tot.

In der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember 2020 erlag Gerhard Plambeck im Alter von 92 Jahren gemeinsam mit seiner 81-jährigen Frau Olga einer Rauchgasvergiftung – wegen eines defekten Ölofens.

Gerhard filmte seit 1959. Weit über 100 Filme sind bis zum Ende seines langen Lebens entstanden. Begonnen hat alles mit seinem Beruf als Pyrotechniker in den fünfziger Jahren. In dieser Zeit wurden Filme u.a. in den Ateliers in Bendestorf gedreht, die sich mit der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit befassten. Dazu brauchte man Fachleute für Kriegsszenen. Frank Wisbar drehte gerade “Haie und kleine Fische”. Plambeck übernahm die Pyrotechnik. Fortan musste er immer dabei sein, wenn es wieder einmal krachen sollte. In einem späteren Interview sagte er: “Damit mir die Zeit nicht langweilig wurde, habe ich hinter der Kamera zugeguckt, wie die das machen.” Die Folge war der Erwerb einer eigenen Kamera.

Sein Werk “Der Krieg, der nicht zu Ende ging” spiegelte dann genau das, was er bei den Filmprofis gelernt hatte. In dem achtminütigen Film schildert er das Schicksal von Kindern, die mit einem Blindgänger spielen und dabei ums Leben kommen.

Es folgten Filme über Schützenfeste, lokale Ereignisse und Reisen, die in Gaststätten gezeigt wurden. Wettbewerbe waren nicht so seine Sache. Wichtig war ihm eine saubere Projektion und tadellose Tonwiedergabe. Nachlässig gespannte Leinwände ohne schwarze Kaschierung waren für ihn wie “Handtücher in der Küche”. Sein Stil erforderte kurze Schnitte. “Visuelle Geschwätzigkeit” war ihm ein Gräuel. Die Sorgfalt im technischen Bereich hat er aus seinem gefährlichen Beruf übernommen. “Der Umgang mit tödlichen Substanzen kann tödliche Folgen haben” – wie Recht er damit haben sollte!

1986 erfüllte sich Gerhard Plambeck einen Traum. Er baute sich in einem ehemaligen Stall ein Kino mit 12 ausgemusterten Lufthansa-Sitzen und damals modernster Technik. Etwa 3000 Besucher hat er in den folgenden Jahren vor seiner Leinwand gehabt. Kamerateams fast aller Fernsehsender Deutschlands haben über das ,,kleinste Kino Deutschlands” berichtet.

Im Sommer 1985 lernte Gerhard Plambeck bei Dreharbeiten der damaligen ,,Filmwerkstatt Süderelbe” den ehemaligen Ufa- Star Ilse Werner kennen. Plambeck hatte sie mit 14 Jahren zum ersten Mal im Kino gesehen. Er war Fan von ihr. Fast 50 Jahre später saß er als knorriger Bauer neben ihr auf einem Trecker. Er konnte es kaum fassen. Der Film ,,Abgeschleppt” wurde zu einem großen Erfolg.

Apropos Darsteller: Das war Gerhard Plambeck in anderen Filmen auch – nicht nur im Amateurbereich,   sondern   auch   bei   den   Profis.   Die  Produktionsgesellschaften   buchten Plambeck gern. Sein Charakterkopf und seine unaufgeregte, abgeklärte Art waren gefragt.  Er blieb stets wissbegierig, wie Profis an die Aufgaben herangingen, und damit hatten sie ihn.

Eine enge Verbindung gab es zwischen den Plambecks und den Harsefelder Lichtspielen, die seit Jahren Spielstätte des BDFA sind.
Den jetzigen Betreiber, den Hotelier und Gastronomen Martin Engelmann, lernten die Plambecks schon kennen, als der noch ein kleiner, filmbegeisterter Junge war, der kaum über den Restauranttresen des Kino- Hotels gucken konnte.

Plambecks wichtigster eigener Film war ,,Gomorrha” von 1991, eine eindrucksvolle Produktion über einen abgestürzten englischen Flieger, der sich im Feuerhagel der Bombardierung Hamburgs mit seinem Fallschirm retten konnte und gelyncht werden sollte. Wieder war der Pyrotechniker gefragt, um die Feuersbrunst wirkungsvoll in Szene zu setzen. Es war für Gerhard Plambeck ein bewegender Moment, als sich Ilse Werner nach der Vorführung seines Films erhob und ihm mit Tränen in den Augen gratulierte.

In den letzten Jahren war es still um den leidenschaftlichen Filmer geworden. Bis zuletzt gab es noch monatliche Zusammenkünfte mit alten Filmfreunden bei Olga und Gerhard Plambeck in Wistedt in der Nordheide. In ,,Gegen das Vergessen” von 2017, seinem letzten Film, sagt er:  “Es wäre nicht schlimm, wenn ich jetzt sterben müsste”. Es hat dann noch ein paar Jahre gedauert, bis ihm dieser Wunsch erfüllt, er von vielen Schmerzen erlöst wurde und in seinem hohen Alter einschlafen durfte.

Peter Klüver

Ein großer Filmer und Freund ist von uns gegangen.

Johannes Heerdegen ist am 09.02.2020 im Alter von 94 Jahren verstorben.

Er war ein Geschichtenerzähler. Geschichten, die  er selbst bis ins kleinste Detail zu einem Drehbuch erarbeitete, dramaturgisch in herausragenden Bildern darstellte und mit seiner unverwechselbaren Erzählstimme vortrug. Qualität war sein Markenzeichen, in jeder Hinsicht. Der 16 mm – Film war sein Medium über viele Jahrzehnte, um dann in der letzten  Schaffensperiode   noch   auf   Video  umzusteigen – die Schnittsoftware bot ihm viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Sein Vita- Film „Harperley und Begegnung mit Tony“ seiner englischen Kriegsgefangenschaft ist ein herausragendes Beispiel von Völkerverständigung, die er lebte und erzählte. Dazu passt der Film „Ein pommerscher Schotte“, den er mit seiner Frau Hanne aufsuchte, um die Geschichte eines Deutschen in englischer Kriegsgefangenschaft zu erzählen der in England blieb, heiratete und glücklich wurde. England   war   Teil   seines   Lebens.   Aber   auch   die   Filme „Mezzogiorno“ oder „Vietnam“ sind Beispiele dafür wie er sich in andere Menschen und Nationen einfühlen konnte. Viele weitere tolle Filme gehören noch zu seinem Filmerleben.

Johannes, wir werden Dich vermissen, als Freund aber auch als großen Filmer.
Werner F.A. Fitzek

 

Wir trauern um Max Conradt

Wer ihm begegnete, war von der Ausstrahlung seiner Persönlichkeit beeindruckt. In druckreifen Sätzen und mit seiner unverwechselbaren sonoren Stimme, der die raue Luft des Nordens etwas Knarziges mitgegeben hat, war er ein fester Bestandteil der Amateurfilm-Szene. Max Conradt verstarb am 15.11.2018 im Alter von 88 Jahren in Hamburg, Wir trauern um ihn und werden ihn im Kreis der vielen Filmfreunde sehr vermissen.

Nach seiner langjährigen Tätigkeit als Medizin-Journalist beim Hamburger Abendblatt besuchte er ein paar Jahre lang Videokurse an der Volkshochschule und später Seminare an der Hamburger Media-School. Seine einfühlsamen filmischen Produktionen waren nie vom Mainstream geprägt. In der Vorbereitung seiner Filme beschäftigte ihn oft die Frage, wie er den Stoff so gestalten könnte, dass auch ein verwöhntes Publikum dem Ablauf gerne folgen würde.
Es waren Geschichten hinter den Bildern, die immer zu entdecken waren und seine filmische Arbeit so besonders machten. Seine Werke befassten sich häufig auch mit der faszinierenden Welt des menschlichen Körpers.

Er hat auf den Wettbewerben des BDFA und auch bei den EUROFILMERN zahlreiche Bronze- und Silbermedaillen gewonnen. Aber der Medaillenruhm war eigentlich nie sein Ziel. In einem Interview vom September 2011 sagte er: „Zu den Wettbewerben gehe ich gespannt und mit wachem Interesse, bin aber weithin unempfindlich gegenüber den Urteilen der Jury.“ Dorthin eingeladen, konnte er sein Wissen um das erfolgreiche Arbeiten als Filmautor viele Male einfließen lassen – und war dabei beispielhaft genauso einfühlsam mit anderen Autoren, wie es seine Filme für die Zuschauer sind.

Die filmische Welt des Max Conradt klingt in seinem letzten Film „Der Friedhof der toten Bäume“ nach. Hier treffen sich seine große Liebe zur klassischen Musik mit den meditativen Motiven seiner filmischen Arbeit.

Lieber Max, wir sind sehr traurig, dass es Dich nun nicht mehr gibt.

Peter Klüver (bearb. boe)
BDFA-Nord

Abschied von Rolf Mexstorf

Die Hamburger Filmautoren und der Landesverband BDFA-Nord haben einen großen Verlust zu beklagen. Der Club schreibt:

„Bereits am 29. August verstarb unser Gründungsmitglied und Ehrenvorsitzender Rolf Mexstorf im Alter von 93 Jahren.

Rolf  Mexstorf war 1971 Mitbegründer unseres Clubs und übernahm dann auch die Clubleitung.  Als Mann der ersten Stunde organisierte er Seminare und Wettbewerbe und so hatte der Club 1983 über 70 Mitglieder.
Bis ins hohe Alter war Rolf im Club aktiv und unser großer Sponsor“.

Auch im Landesverband unterstützte er dessen Arbeit und nahm an allen Debatten um den künftigen Weg rege teil, oft stellte er sich für die Jury und Seminare zur Verfügung, um seine Erfahrungen einzubringen.

Für Rolf war es der Höhepunkt, die 67. Deutschen Filmfestspiele 2009 in Hamburg mit seinem Club und vielen Helfern im Landesverband auszurichten.
Für die Ausrichtung der DAFF erhielt Rolf die goldene Ehrennadel des BDFA.

Wir werden ihn in Erinnerung behalten und sagen Danke für alles.

HFA und BDFA-Nord